Morgen.

Morgen.

Lieber Morgen

Du weisst, warum wir dich heute Abend hierhin bestellt haben, nicht wahr? Die geschätzte Hälfte der Bevölkerung findet dein Auftreten seit jeher alles andere als inspirierend und belebend. Nur scheint dir das bislang nicht gedämmert zu haben.

Dass wir uns richtig verstehen: Wir sind dir wohlgesinnt. Daher beginnen wir dieses Beurteilungsgespräch mit den Momenten, in denen du uns im August gefallen hast.

Du hast dich in einigen der schönsten Ecken der Welt von deiner eindrücklichsten Seite gezeigt. Über das Matterhorn hast du im Minutentakt tausende Rottöne geschickt. In den Wäldern von Südfinnland hast du geschickt mit Licht- und Tonspuren experimentiert. Und in Luzern hast du die orangen Pinselstriche am Himmel in genialer Ausführung im klaren Wasser des Vierwaldstättersees spiegeln lassen.

Zudem hast du ein feines Gespür bewiesen, als du den ersten Sonntagmorgen mit Regen gestartet und uns so einen faulen Tag im Bett ohne schlechtes Gewissen ermöglicht hast.

Doch jede Sonnenseite hat immer auch eine Schattenseite. Das weisst du besser als alle anderen. Einige deiner Manieren kamen gar nicht gut an. Wir haben für dieses Gespräch zwei besonders aussagekräftige Beispiele herausgepickt.

Provoziere uns an trunkenen Sonn- und Feiertagen nicht schon um 7 Uhr mit unerträglich stechendem Sonnenlicht. Im Zweifelsfall schickst du bis zur Mittagszeit eine harmlose Wolke vor die Sonne, dann ist die Sache geritzt. In dieser Hinsicht musst du viel mehr auf die einzelnen Zielgruppen eingehen.

Und wenn wir schon bei zielgruppenspezifischen Bedürfnissen sind: Es ist nicht gerade löblich, dass du werktags die Regenwolken jeweils pünktlich zwischen 6.55 und 7.05 Uhr entleeren lässt, wenn viele Bürolisten mit dem Fahrrad an den Bahnhof Luzern pendeln müssen. Genau wegen solchen unnötigen Kapriolen ziehst du die Ungunst der Menschen auf dich.

So und jetzt hell dich wieder auf. Am Horizont wird bald wieder die Sonne scheinen, wenn du dir unsere Ratschläge zu Herzen nimmst.

Und keine Sorge, den Mittag und den Abend knöpfen wir uns ebenfalls noch vor.

 

Arctic Monkeys – Do I wanna know.

Arctic Monkeys – Do I wanna know.

Ryan Adams – When The Stars Go Blue.

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