Ryan Adams – When The Stars Go Blue.

Ryan Adams – When The Stars Go Blue.

Während einer Zugfahrt zwischen Ljulbjana und Bled in Slowenien höre ich meine ersten Takte von Ryan Adams. Gut 10 Jahre später stehe ich in Helsinki bei fast kitschiger Abendsonne vor der Hauptbühne des Flow Festivals und warte darauf, den für mich inzwischen zur Legende gewordenen Musiker endlich auch live zu erleben.

2007 reise ich mit meinem australischen Gastbruder Tom durch Slowenien und Österreich. Auf den zahlreichen Zugfahrten erweitere ich dank Tom meinen Musikhorizont und tauche ein in die Sphären von Radiohead, Powderfinger oder eben auch Ryan Adams. Der Vorhang zu Adams’ Welt öffnet sich mir mit dem Song Magnolia Mountain; eine blues-rockige Country-Ballade, die alles vereint, was seinen Musikstil ausmacht. Bis heute ist dies sein Übersong und einer, der sich in meiner ewigen Top-Liste festgekrallt hat.

Über 10 Jahre später, im August 2017, bin ich mit einer Kollegin in Finnland unterwegs, wo wir zum einen die sagenhafte Natur rund um das Archipelago entdecken und zum anderen unseren Kulturspeicher am Flow Festival wieder mal so richtig auffüllen. Meine Vorfreude am dritten Festivaltag ist beinahe ungehalten, denn als Headliner tritt Ryan Adams auf.

Die Abendsonne verleiht der mit Lichterketten und Ballonen verzierten Industriezone eine magische Stimmung, als Adams kurz nach halb acht Uhr auf die Bühne tritt. Die zwei sich duellierenden Gitarren hallen durch das Gelände, während sich die Melodien und Harmonien tief ins Herz einbrennen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Song für den absoluten Glücksmoment.

Einem stimmigen Textschluss zuliebe hätte ich hier nur zu gerne geschrieben, dass Adams als Encore Magnolia Mountain anstimmt, doch er spielt ihn nicht. Das einstündige Set ist gespickt mit rockigen Songs, aber auf seinen Übersong wartet das Publikum vergeblich. Dafür nimmt er in der Mitte des Konzerts das Tempo komplett raus und spielt das fast schon minimalistische „When The Stars Go Blue“. Obwohl ich den Song bislang nicht kannte, hallt er noch lange nach dem Konzert und dem Festival nach. Eine unglaubliche Ballade, getragen von nur vier Akkorden, mit Harmonien nicht von dieser Welt, begleitet von Gitarre, Schlagzeug und Klavier. Keiner kann das besser als Ryan Adams.

Frei nach Emil Manser: Wer ihn kennt, der liebt ihn.

 

Morgen.

Morgen.

Heimat #2.

Heimat #2.