The Cardigans – Live And Learn.
Würde man meinen Musikgeschmack einer Gender-Analyse unterziehen, wäre das Resultat alles andere als ausbalanciert. In meiner Bibliothek findet sich vorwiegend Alternative Rock von männerdominierten Bands. Aber natürlich sind sie auch vertreten, Musikerinnen wie Alison Mosshart, Laura Marling, Regina Spektor, St. Vincent und wie sie alle heissen. Und ganz oben auf dieser Liste thront eine schwedische Göttin mit Heavy-Metal Bodyguards im Rücken: Nina Persson und ihre Cardigans.
Über das Debutalbum der Band Shivaree, deren Song «Goodnight Moon» mich im Abspann von Tarantino’s Kill Bill Volume 2 einlullte, schrieb Laut.de-Redaktor Sebastian Hornik 2001:
“Das ist so ein Album, bei dem man sich beim Hören nicht von der kleinen Schwester erwischen lassen will – weil man ja harte und gute Musik hört und dann geht die Tür auf und sie plärrt rein “Hääh, du hörst so schöne Musik?” und man muss leicht verschämt mit “Ja ja ja!” abwinken.”
Natürlich ist diese Darstellung etwas gar hochstilisiert, aber sie passt für mich auch ganz gut zu den Cardigans; eine schwedische Band rund um Nina Persson, die in den 90er und Nullerjahren in den vorderen Reihen des Pop-Zirkus mitmischte. Nur schon die Tatsache, dass zwei Vollblut-Heavy-Metal-Musiker eine Band namens «Die Strickjacken» gründen, ist ein Garant für hochgezuckte Augenbrauen und eine gehörige Portion Aufmerksamkeit.
Der Sound der Cardigans ist teilweise hart und rotzig und dann aber auch wieder sanft und verletzlich. Plump ist er jedoch nie. Die Schweden zelebrieren überaus vielschichtigen und cleveren Pop.
«Live And Learn» ist mein Song der Cardigans. Lebensbejahende 254 Sekunden grossartiger Pop, getragen von Perssons Stimme und einem eingängigen Gitarren-Riff. Auch nach über 10 Jahren bin ich noch immer fasziniert von der Vielschichtigkeit des Arrangements. Gesang und Instrumentalisierung verschmelzen in der Bridge zu einem verdammt leckeren Zuckerguss. Vollgepumpt mit Glückshormonen will der Hörer der Band nur noch zuschreien: Ihr habt ja so Recht. Nicht immer alles dreimal überdenken, sondern einfach mal machen.
Und ich nehme ihr jedes Wort ab, wenn Persson am Schluss singt:
«Well you get what you give. And hell yes I lived. / But if you live as you learn. I don't think I can learn.»