Heimat #2.

Heimat #2.

Im Mai habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass sich meine Heimat im Begriff Nidwalden konkretisiert. Daraus lässt sich schliessen, dass ich Heimat entgegen allen Erwartungen vorwiegend räumlich definiere. Fünf Wochen und eine Zugfahrt nach Lenzburg später erbitte ich die Leserin oder den Leser höflichst, mein Urteil etwas revidieren und inhaltlich ausweiten zu dürfen.

Noch bis März 2018 stehen den Besuchern die Türen des Stapferhauses Lenzburg offen für eine Grenzerfahrung zum Thema Heimat. Bereits von weitem erkennbar, reckt sich ein Riesenrad vor dem Museum in die Höhe. Auch es, natürlich, Teil der Ausstellung, genau gleich wie die Chilbi-Jetons, die mir zu Beginn in die Hand gedrückt werden. Die Grenzerfahrung erstreckt sich in neun Kapiteln über unser gesamtes Leben: Von unserer Entstehung im Mutterleib, über die Entwicklung unseres Gehirns und des Heimatbewusstseins bis zum Weltall, wo wir ein letztes Mal auf unsere räumliche Heimat, die Erde, zurückblicken. Immer wieder werden die Besucher direkt involviert, sei es bei einer Heimat-Umfrage, im Rahmen einer nationalen Abstimmung oder auf dem Riesenrad, wo man sich für das Familiäre oder das Fremde entscheiden muss.

Auf eindrückliche Weise führt die Ausstellung dem Besucher die Vielschichtigkeit des Heimat-Begriffes vor Augen. Sie tut dies dann am besten, wenn sie Menschen aus der ganzen Schweiz und allen Landesregionen erklären lässt, wie Heimat klingt, schmeckt, riecht und sich anfühlt. Am meisten beeindruckt hat mich die Aussage eines jungen Mannes:

„Heimat ist da, wo ich nicht bloss akzeptiert, sondern erwünscht bin.“

Ich halte noch immer an den Aussagen meines Mai-Beitrages fest, jedoch darf dieser nicht als abschliessend gelesen werden. Heimat lässt sich unmöglich entweder nur geografisch, sozial oder sinnesorientiert betrachten. Die Gesamtheit all unserer Werte, Erinnerungen und Haltungen formt im Unterbewusstsein das komplexe Heimat-Verständnis eines jeden von uns.

Die liebevoll und äusserst aufwendig gestaltete Grenzerfahrung in Lenzburg hat mich von der ersten Minute hinweg gepackt, mich durch diverse Interaktionen permanent zum Nachdenken angeregt und hallt noch lange nach dem Verlassen des Museums nach.

www.stapferhaus.ch

 

 

Ryan Adams – When The Stars Go Blue.

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Triumph.

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